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2005 - Wintercamp

Das abgefahrenste Wochenende, das ich bisher erlebt habe, war mit Sicherheit das Wintertreffen in Effelter mit Lauche und Maas.
Es fing eigentlich ganz harmlos bei einem Kaffeeklatsch in meinem Wohnzimmer an, als mir Didi von dem Event vorschwärmte, am dem er vorher schonmal teilgenommen hatte.
Am Freitag des letzten Januar-Wochenendes 2005 ging es los.
Die Hinfahrt war schon eine ziemliche Tortour, aber nach etlichen Kilometern und Staus kamen wir endlich in Effelter an. Noch den Feldweg Richtung Ende der Welt eingeschlagen, und schon waren wir da.

In der Dunkelheit wurde das Zelt im Tiefschnee aufgebaut und dann ging es ersteinmal zum Fischessen in die Tenne, eine Scheune, die angrenzend an eine Mühle für die Camper bereitgestellt wurde. Wirklich warm war es dort auch nicht, aber dadurch war der Kälteschock nicht so groß, wenn man wieder hinausging.
Dann kam die erste Nacht. Mir war nicht so ganz wohl, als ich in den Schlafsack kroch, aber ich muß gestehen, daß man bei -14 Grad in einem guten Schlafsack doch erstaunlich warm schlafen kann.

Samstag Morgen:
Der erste Weg vom Zelt zur Tenne war grausam. Der Kreislauf war noch nicht richtig da, und mir war schweinekalt.

Erst einmal ein heißer Tee.

Davon habe ich am ganzen Wochenende etwa 4000 l getrunken. So kam es mir jedenfalls vor.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann frisch in den Tag.


 
Hier sieht man die müden Anfänge eines agilen Tagewerkes.
- Das lodernde Feuer -

 

Der Samstag-Vormittag verlief sehr unspektakulär mit der Erkundung des Areals, neuen Bekanntschaften am Frühstücks-Feuer, und dem Trinken von Tee, Tee und Tee.
Am Nachmittag standen dann Spiele auf dem Programm. Die Teilnahme war freiwillig und ich zog es vor, etwas in der Gegend herumzustreunern und Eindrücke zu sammeln.

Ein kleiner Überblick über das Areal.

 

 

 

 


Es gibt doch geniale Konstruktionen um einen Winter angenehm zu überstehen!!!

 

Didi schickte sich an, die Schneeschuhe auszuprobieren. Schnee war ja genug da.
Eigentlich schon zu viel, denn ich fragte den Hundeschlittenfahrer nach einer Mitfahrgelegenheit durch den Wald, doch leider wäre es durch die Massen an Neuschnee für die Hunde zu schwer geworden mit zwei Leuten durch die Pampa zu fahren. Schade.

Der frühe Nachmittag wurde außerdem dazu genutzt ein wenig in der Sonne abzuhängen, Tee zu trinken, den Spielen zuzuschauen ...

 

 

 

... und natürlich zum Essen.

Wieviel Energie man überhaupt mit dem Essen aufnimmt, wurde mir erst an diesem Wochenende in der Kälte bewußt.
Es war mittlerweile Nachmittag, das Frühstück lag schon etliche Stunden zurück und auch der Tee machte nicht mehr warm.
Ausgebrannt war das richtige Wort...

Da packte Didi seinen Kocher aus und brutzelte ein deftiges Mahl.
Es fühlte sich an, als ob eine innere Heizung in Betrieb ging. Schlagartig wurde es wieder warm von Innen heraus.
Also: Solltet ihr mal in der Arktis verloren gehen, vergeßt bloß das Essen nicht!

Die Spiele waren wirklich lustig und dauerten praktisch den ganzen Tag. Die Leute legten sich schwer ins Zeug und ab und zu kam mal ein Schlitten mit etwas anderen Hunden vorbeigesaust.
Was wirklich sinnvoll war: Die Leute waren beschäftigt, bewegten sich ordentlich, hatten viel Spaß und lernten sich gegenseitig auch noch ein wenig kennen, denn die Spiele wurden im Team absolviert.

Das Abendessen war das absolute Highlight.
Es wurde ein großes Buffet aufgebaut, an dem es alles gab, was ein ausgedörrter Magen brauchte.
Es gab Elch mit allen nötigen Beilagen. Also ich kann nur sagen: Die Verpflegung war 1a.

Der Abend wurde mit einer schottischen Band beschlossen, die in der Tenne auftrat.
Draußen am Feuer wurde unterdessen getestet, wozu man Schneeschuhe noch gebrauchen kann.

Je später der Abend, desto kälter die Außenluft. Dieser Satz ist zwar kein Sprichwort, traf aber gnadenlos zu. An diesem Abend war ich fast froh in den warmen Schlafsack zu kriechen.
Schnell noch die Thermoskanne mit heißem Tee an die Schlafstätte gestellt und die Mütze aufgezogen, den Kopfschutz bis an die Nase zugeschnürrt und - Mist, die Schuhe stehen noch draußen und laufen Gefahr am nächsten Morgen eingefroren zu sein.
Also: alles nochmal aufgemacht, die Schuhe in die Tüte, die Tüte in den Schlafsack und nochmal alles zugeschnürrt. Nach 5 bis 20 Minuten ist man dann tatsächlich schlafbereit. Eigenartigerweise schlief ich wie ein Murmeltier und wachte am nächsten Morgen ausgeschlafen auf.

In der Nacht hatte es geschneit.
So sah übrigens das Zelt aus, in dem ich wirklich bei Minusgraden zwei Nächte geschlafen habe.

 

 

Am Sonntag löste sich, nach einem ausgedehnten Frühstück mit Spiegelei & Co. und der Siegerehrung, das Camp langsam auf.

Es war mal eine echte Erfahrung zu sehen, daß man mit der richtigen Ausrüstung auch in Extrem-Situationen unbeschadet über die Runden kommt. Ich hatte nichteinmal einen Schnupfen davongetragen.